Donnerstag, 20. September 2018

Alle Jahre wieder …




Relikte der Malerei
Installation
Werkzeuge & Fundstücke aus den Jahren 2010 - 2018
Unterschiedliche Medien & Materialien
Verschiedene Urheber


Herbstsalon 2018

Eröffnung:
Freitag, 21. September 2018, 19:30 Uhr

Begrüßung:
Michaela Kilper-Beer, 1. Vorsitzende KuBa e. V.

Grußwort:
Tobias Hans, Ministerpräsident des Saarlandes

Einführung:
Dr. Andreas Bayer, Künstlerischer Leiter

Teilnehmende Künstlerinnen und Künstler:
Julia Aatz
Julia Baur
Dietmar Binger
Sandra Brabenetz
Werner Constroffer
Frauke Eckhardt
Mane Hellenthal
Juliana Hümpfner
Leslie Huppert
Petra Jung
Vera Kattler
Michael Koob
Annegret Leiner
Arne Menzel
Andrea Neumann
Stefan Ochs
Sigrún Ólafsdóttir
Dirk Rausch
Armin Rohr
Sabine Späder
Martin Steiner
Claudia Vogel

Ausstellungsdauer:
15. September - 6. Oktober

Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag, Feiertag 15:00 - 18:00 Uhr
Montags geschlossen

Finissage:
Sonntag, 14. Oktober 2018 in der KuBa Kantine

„First We Took Erlangen …“

Mit dem Max-Moritz-Preis 2018 in Erlangen bedachte Studierende der HBKsaar präsentieren ihre Arbeiten in einer Comic-Lesung:
Pol Borschette
Eric Heit
Valérie Minelli
Eric Schwarz
Lena Schwingel

Leitung: Jonathan Kunz.

KuBa Kulturzentrum am Eurobahnhof ee. V.
Quartier Eurobahnhof
Europaallee 25
66113 Saarbrücken
www.kuba-sb.de


Kommt alle, die Ihr mühselig & beladen seid, ich will Euch erquicken!



Mittwoch, 19. September 2018

Mir ist so komisch zumute …








Nicht vergessen: heute Abend 19:00 Uhr ist Eröffnung!


Galerie Neuheisel
Johannisstraße 3a
D-66111 Saarbrücken

Telefon: 0681 3904460
info@galerie-neuheisel.de
www.galerie-neuheisel.de


Kommt alle, die Ihr mühselig & beladen seid. Ich will Euch erquicken!



Freitag, 14. September 2018

Pseudo


Ohne Titel („Idyll unter dunklem Himmel“), 2018
Öl auf Leinwand, 140 x 100 cm




Korrektur


Ohne Titel, 2018
Öl auf Leinwand, 180 x 130 cm


Kurz vorm Transport noch ein letztes Mal Hand angelegt.



Dienstag, 11. September 2018

Training


Ohne Titel („Training“), 2018
Acryl, Öl auf Leinwand, 140 x 190 cm



Sonntag, 9. September 2018

Idüll


Ohne Titel, 2018
Öl auf Papier, 59,7 x 42 cm



Samstag, 8. September 2018

Komisch zumute …


Ohne Titel, 2018
Öl auf Leinwand, 180 x 130 cm

In den vergangenen Jahren habe ich meine Ausstellungstätigkeit reduziert. Aus Gründen. Nun freue ich mich um so mehr auf den 19. September, da wird nämlich meine erste Einzelausstellung seit sechs Jahren in Saarbrücken in der Galerie Neuheisel eröffnet:


„Mir ist so komisch zumute, ich ahne und vermute …“

„Nach einer längeren Phase der Abstraktion knüpft Armin Rohr in seinen neuen Werken an figürliche Bilder der Vergangenheit an. Allerdings rückt die Farbe stärker in den Fokus seiner Betrachtung. Sie ist eindeutig der Protagonist in den neuen Arbeiten. Personen und Figuren fügen sich als narrative Elemente in scheinbar bekannte Landschaften ein; ihre Anwesenheit und ihre Handlungen erscheinen fremd und rätselhaft in den farbgewaltigen, oft heiteren und lichtdurchfluteten Bildräumen. Der Einsatz der Farbe verwandelt Orte und Landschaften oft in surreale Kulissen. Die vermeintliche Heiterkeit kann letztlich nicht über eine trügerische und zerbrechliche Ruhe hinwegtäuschen, welche latent unter der Oberfläche der Bilder schlummert.
Der Ausgang der Szenerien ist ungewiss.“


Eröffnung:
Mittwoch, 19. September 2018, 19:00 Uhr

Begrüßung: Benjamin Knur
Laudatio: Dr. Andreas Bayer

Ausstellungsdauer:
19. Sptember bis 03. November 2018

Öffnungszeiten:
Di 10:00 - 16:00 Uhr
Do 13:00 - 19:00 Uhr
Sa 11:00 - 13:00 Uhr

Und jederzeit nach Vereinbarung

Kontakt:
Galerie Neuheisel
Johannisstraße 3a
D-66111 Saarbrücken

Telefon: 0681 3904460
info@galerie-neuheisel.de
www.galerie-neuheisel.de


Kommt alle, die Ihr mühselig & beladen seid. Ich will Euch erquicken!



Mittwoch, 5. September 2018

Kleine Lichtung


Ohne Titel, 2018
Öl auf Leinwand, 60 x 50 cm



Dienstag, 4. September 2018

Wohin?


Ohne Titel („Auszug“), 2018
Acryl, Öl auf Leinwand, 140 x 190 cm



Montag, 27. August 2018

Am Horizont


Ohne Titel, 2018
Acryl, Öl auf Leinwand, 95 x 150 cm



Donnerstag, 26. Juli 2018

Entwurf


Ohne Titel, 2018
Öl auf Papier, 59,4 x 42 cm



Mittwoch, 18. Juli 2018

Harmony all over the world


Ohne Titel („Einklang“), 2018
Acryl, Öl auf Leinwand, 50 x 70 cm



Dienstag, 17. Juli 2018

Für J.


Ohne Titel, 2018
Öl auf Papier, 42 x 58,4 cm



Montag, 16. Juli 2018

Waldbild


Ohne Titel („Suche“), 2018
Acryl, Öl auf Leinwand, 180 x 130 cm



Sonntag, 15. Juli 2018

Beatrice




Mein Liebster

Wie geht es Ihnen heute? Ich hoffe, dass es dir und deiner Familie gut
geht zum Ruhm des allmächtigen Gottes. Mein Name ist Beatrice Morgan
Ich bin 52 Jahre alt. Ich war mit dem verstorbenen Mr. James Morgan
verheiratet, der 11 Jahre lang in der Botschaft der Vereinigten
Staaten in Frankreich arbeitete und auch ein Goldhändler war, bevor er
im Jahr 2013 starb. Meine Liebe vor dem Tod meines verstorbenen
Ehemannes, Er legte die Summe von (€ 7,500.000.00) in der
Auslandsbank. Meine Liebe, ich bin in meinem Herzen göttlich berührt,
um Ihnen meinen Erbschaftsfonds anzubieten, so dass Sie den Fonds für
Wohltätigkeitsarbeit verwenden, um den weniger Privilegien, Waisen und
mutterlosen Kindern zu helfen.

Mein Lieber, ich habe Ihnen diese Nachricht geschrieben, weil ich seit
Jahren an Leberkrebs der Speiseröhre leide und ich habe eine Reihe von
Krebsbehandlungen durchgemacht, aber alles ohne Erfolg. Kürzlich ging
ich zu einer medizinischen Untersuchung und mein Arzt sagte mir
privat, dass ich diese Krebskrankheit für die nächsten 3 Wochen
vielleicht nicht überleben würde, weil der Krebs einen Teil meiner
Leber geschädigt hat. Ich habe beschlossen, Ihnen meinen
Erbschaftsfonds anzubieten, so dass Sie diesen Fonds für wohltätige
Zwecke nutzen, um den weniger Privilegierten, Waisen und mutterlosen
Kindern zu helfen. Mein Lieber, ich habe beschlossen, diesen Fond
Ihnen zu übergeben, damit Sie eine große Wohltätigkeitsarbeit leisten
und den Fond zur Ehre Gottes verteilen, um den weniger Privilegierten
und Waisen zu helfen.

Meine Liebe, ich werde sofort von Ihnen hören, ich werde Ihnen alle
Informationen über diesen Fonds mit den Kontaktdaten der Bank geben,
so dass die Bank den Fonds sofort auf Ihr Konto in Ihrem Land
transferieren wird. Mein Lieber, ich bete, dass der allmächtige Gott
bei dir sein wird, wie du es willst, diese Wohltätigkeitsarbeit zu
tun. Sie sollen mich hier kontaktieren (morgan.beatrice1966@gmail.com)

Ich warte auf Ihre Antwort.

Freundliche Grüße,
Frau Beatrice Morgan




Dienstag, 3. Juli 2018

Mactrum


Ohne Titel, 2018
Öl auf Leinwand, 60 x 45 cm



Samstag, 30. Juni 2018

Apocalypto


Ohne Titel („Freiwild“), 2018
Acryl, Öl auf Leinwand, 105 x 130 cm



Infrarot


Ohne Titel („Bliesgauer Idyll“), 2018
Öl auf Leinwand, 150 x 95 cm



Samstag, 23. Juni 2018

Dys


Ohne Titel („Duo“), 2018
Acryl, Öl auf Leinwand, 72 x 46 cm



Freitag, 22. Juni 2018

Irre


Ohne Titel („Sorry Babe“), 2018
Acryl, Öl auf Leinwand, 80 x 115 cm
Privatbesitz



Mittwoch, 13. Juni 2018

Aus der Zeit


Ohne Titel, 2018
Aquarell auf Aquarellpapier auf Papier, 48 x 56 cm



Aus der Zeit


Ohne Titel, 2018
Öl auf Papier, 42 x 58,4 cm



Möglichkeit


Ohne Titel, 2018
Bleistift in Skizzenbuch (aufgeklappt)
ca. 25 x 38 cm



Mit Caol Ila


Ohne Titel, 2018
Bleistift, Filzstift in Skizzenbuch (rechte Seite)
ca. 25 x 19 cm



Dienstag, 12. Juni 2018

Vermeintlich


Ohne Titel („Bliesgauer Idyll“), 2018
Öl auf Leinwand, 140 x 100 cm




Niemand


Ohne Titel („Niemand kam“), 2018
Öl auf Leinwand, 75 x 135 cm




Sonntag, 10. Juni 2018

Auf dem Weg


Ohne Titel („Die Neuen“), 2018
Öl auf Leinwand, 45 x 60 cm



Samstag, 9. Juni 2018

Außer Kontrolle


Ohne Titel („Die Neuen“), 2018
Bleistift, Aquarell auf Papier, 42 x 59,4 cm cm



Mittwoch, 6. Juni 2018

Ungewiss


Ohne Titel („Schnickschnackschnuck“), 2018
Öl auf Leinwand, 85 x 85 cm



Montag, 4. Juni 2018

Begegnung


Ohne Titel („Erleuchtet“), 2018
Öl auf Leinwand, 40 x 50 cm



Sonntag, 3. Juni 2018

Hanau, idyllisch


Ohne Titel, 2018
Öl auf Papier, 42 x 29,7 cm




Samstag, 2. Juni 2018

Hanau, bedrohlich


Ohne Titel, 2018
Öl auf Papier, 42 x 49,4 cm




Freitag, 1. Juni 2018

Über Zufälle, Zweifel & Ungewissheiten


Ohne Titel, 2018
Öl auf Karton, 24 x 18 cm


Im Oktober 1994 begann ich mit einem Studium der Malerei an der HBK Saar in Saarbrücken - ich hatte die Vorstellung, erst mal zwei Semester lang zu malen & zeichnen. So oft & wann immer es geht. Um dann nach einem Jahr weitere Entscheidungen treffen.

Bis zu dem Zeitpunkt hatte ich, soweit ich mich erinnern kann, immer schon gezeichnet. Mal mehr, mal weniger. Als Kind, als Jugendlicher, in der Schule - meistens in Kunst fernen Fächern. Latein, Mathematik, Religion. Irgendwie bin ich dabei geblieben, bei der Zeichnerei. Habe einfach nie aufgehört. Während meiner Zeit im Zivildienst zeichnete ich wenig. Aber danach wieder um so mehr.

In der Malerei hatte ich mich bis zum Beginn meines Studiums an der HBK selten versucht; die Versuche erschienen mir dilletantisch, stümperhaft & nicht sehr befriedigend. Ich wilderte in unterschiedlichen Gefilden, ohne zu wissen, was ich da überhaupt tat & was ich überhaupt wollte.

Meine Eltern schenkten mir zum dreizehnten Geburtstag einen Kasten mit Ölfaben, eine Staffelei & ein paar Malpappen. In der Küche unserer engen Mietwohnung malte ich die ersten Bilder. Galoppierende Pferde, Stilleben & ein missglücktes Selbstporträt. Es roch nach Terpentin & Leinöl & irgendwann war es meiner Mutter zuviel, weil das Essen angeblich nach Terpentin schmeckte. Außerdem war trotz Zeitungsabdeckung immer der Boden mit Farbe zugesaut. So verschwanden die Utensilien irgendwann im Keller.

Bevor ich an der 1994 HBK begann, studierte ich Grafik-Design an der FH in Saarbrücken. Eine Kunsthochschule gab es noch nicht. Und ein Studium außerhalb des Saarlandes zog ich irgendwie nicht in Betracht. Außerdem war ich sowieso ahnungslos.

Wenn es nach meinen Eltern & dem Arbeitsamt gegangen wäre, hatte ich drei Optionen:

1. eine Banklehre
2. eine Lehre zum Druckvorlagenhersteller
3. eine Lehre zum Backwarengestalter

In Saarbrücken gab es eine FH für Ingenieurwesen & Design. Industrie-, Textil- & Grafikdesign nebst Innenarchitektur. Grafikdesign war laut Arbeitsberaterin auch brotlose Kunst & Kunst in einer anderen Stadt außerhalb des Saarlandes Zeitverschwendung, weil noch brotloser als brotlos. Kam also überhaupt nicht in Frage. Zugegebenermaßen hatte ich zu diesem Zeitpunkt auch noch keinen Plan von irgendwas. Nur eines war klar: Die drei Vorschläge meiner Eltern & meiner Arbeitsberaterin fand ich inakzeptabel. Ich machte mein Fachabitur & begann ohne Plan ein Grafikstudium - übrigens damit verbunden die sagenumwobene Grundlehre bei Prof. Oskar Holweck. Aber das ist eine andere Geschichte.

Schnell erkannte ich, dass ich weder als Grafiker in einer Werbeagentur im Allgemeinen & noch als selbstständiger Einzelkämpfer arbeiten wollte - trotz eines nicht von der Hand zu weisenden Talentes, was die Illustration & das Layouten betraf.

Es zog mich zur freien Zeichnung & zur Malerei - wenn ich auch nicht genau wusste, wie ich mir das Leben eines Künstlers überhaupt vorzustellen hatte & was man da von morgens bis abends so tut. Außer halt malen & zeichnen.

Denn auf die zeitgenössische Kunst stieß ich nämlich vergleichsweise spät in meinem Leben. Museumsbesuche gehörten in unserer Familie nicht zum sonntäglichen Bildungsprogramm. In meiner Jugend hatte ich Kontakt mit dem Impressionismus, dem Expressionismus, Salvatore Dali & Picasso. Der Kunstunterricht in den Schulen, die ich besuchte, fiel meistens aus - außer während der ersten drei Jahre auf dem Gymnasium bei Erwin Steitz, der mittlerweile sogar mein Kollege ist. Wenn Kunstunterricht darüberhinaus je stattgefunden hat, kann ich mich kaum daran erinnern & hat mich in keinster Weise geprägt oder beeinflusst. Die Kunsttheorie beschränkte sich auf Romanik, Renaissance, Barock. Darüber hinaus war alles weitere ein schwarzes Loch. Pop Art war bunt. Vielleicht noch Beuys - ohne wirklich genaueres verstanden zu haben. Ich hörte von Butter- & Fettecken sowie von unkundigen Putzfrauen gereinigte Badewannen.

Ich glaube es war so um 1980 - ich besuchte mit Freunden während eines kurzen Parisaufenthaltes das Centre Pompidou. Es war eine Begegnung der dritten Art, die mich verwirrte. Die Architektur erschien mir wie eine Art Raumschiff von einem anderen Planeten, gefüllt mit Dingen, die ich noch nie gesehen hatte & auch nicht so richtig einordnen konnte. Es war die Zeit vor meinem Design-Studium, während meines Zivildienstes.

Konzepte oder gar eine höhere Vision hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt noch keine, aber nach dem ich das Grafik-Studium abgeschlossen hatte, bewarb ich mich an verschiedenen Hochschulen & Akademien um einen Studienplatz für Freie Kunst. Nach einigen Jahren & vielen Absagen („Wir brauchen hier junge, formbare Menschen“ oder: “Machen Sie doch Ihr Ding allein, wozu brauchen Sie noch eine Akademie?“), in denen ich witzigerweise überwiegend als Illustrator & Designer für unterschiedliche Agenturen & eigene Kunden in Saarbrücken & Stuttgart arbeitete, klappte es dann in Saarbrücken an der HBK Saar (nachdem ich drei Jahre zuvor schon einmal abgelehnt worden war).

Das Studium in der Malklasse von Bodo Baumgarten bedeutete vor allen Dingen eines: Ich hatte einen Arbeitsplatz, „mein“ Atelier, von morgens bis nachts malte ich Bild um Bild. Während der Semesterferien waren sowohl Atelier als auch die HBK verwaist. Keine Professoren, kaum Studenten. Ein riesiges Atelier für mich allein. Das war ziemlich cool. Ich hängte immer alle Bilder der Kommilitonen ab & hatte drei Monate meine Ruhe. Während meiner Jahre als Freelancer hatte ich Geld gespart; damit konnte ich, wenn ich einigermaßen bescheiden lebte, ungefähr drei Semester ohne Job überleben. Ein Grundstudium bei Prof. Sigurd Rompza blieb mir Gott sei Dank erspart. Über Baumgartens Arbeit war mir vor dem Studium übrigens wenig bekannt. War aber auch egal, ich wollte sowieso nur malen & Kurse belegte ich aussschließlich nach Interessenlage. Nach der Zwischenprüfung hielt ich mich nur noch im Atelier auf & malte. Allmählich mutierte ich zum Faktotum in der Malklasse.

Zu Beginn des siebten Semsters plante ich den Ausstieg aus dem Studium. Ich nahm noch am Rundgang zum Ende des Wintersemesters teil & flüchtete dann ohne Abschluss in mein eigenes Atelier.

Das war eine gute Entscheidung. An der HBK wurde es für meine Bedürfnisse immer enger, außerdem wollte ich in Ruhe arbeiten, was im Maleratelier der Hochschule schon immer mit Schwierigkeiten verbunden war. Es war eine schöne Ateliergemeinschaft & eine fruchtbare Zeit, aber oft laut & chaotisch.

Außerdem hatte ich schon während meiner Zeit an der HBK viel Glück. Einzelausstellungen in kleinen, eher unbedeutenden Galerien, Förderstipendien, Kunstpreise, Bilderverkäufe, Bilderankäufe, Kunst-am-Bau-Projekte. Es war Zeit für mein eigenes Atelier. Für diesen Schritt belohnten mich Bodo & die HBK offiziell & per Urkunde mit dem Titel „Meisterschüler“. Ich war der erste Meisterschüler bei Bodo Baumgarten & der einzige Meisterschüler in den Annalen der HBK ohne Diplom.

Nach wie vor hatte ich keine Strategie & agierte eher naiv. Meistens rief irgendjemand an, schlug mich für irgendein Projekt vor oder irgendjemand sprach ohne mein Wissen eine Empfehlung aus.

Ob Kunst-am-Bau-Projekte, kleinere regionale Kunstpreise oder auch Bilderverkäufe - ich rutschte eher zufällig als geplant in das Malerbusiness. Nein, es ist keine Koketterie - bis zum heutigen Tag existiere als Künstler ich nur wegen der andauernden Verkettung von glücklichen Umständen. Als Grafiker arbeitete ich irgendwann nicht mehr. Hin & wieder führe ich Auftragsarbeiten aus. Meistens Porträts.

Anfangs beteiligte ich mich an Wettbewerben oder suchte Kontakt mit Galerien außerhalb der Region. Oder ich bewerb mich um ein Stipendium, um einen Kunstpreis. Hat manchmal erstaunlicherweise funktioniert. Mittlerweile verschwende ich meine Zeit nur noch selten mit solchen Dingen. Verschicke kaum Bewerbungen, schon gar nicht an Galerien. Kunstpreise interessieren mich nicht mehr. Da öffne ich lieber ein Flasche Wein & betrachte eine schöne Landschaft. Oder fange ein neues Bild an. Oder gehe mit meiner Frau spazieren. Ich bin kein guter Netzwerker. Schon gar kein Geschäftsmann. Oder gar ein guter Verkäufer.

Immer wieder muss ich, wie die meisten meiner Kollegen, neue Strategien finden, um mein Überleben zu sichern. Ich war noch nie im Leben irgendwo angestellt.

Malerei, Zeichnung & unzählige andere Tätigkeiten, über die ich lieber den Mantel des Schweigens hänge. Oder vielleicht doch mal ein Buch schreibe? Es ist ein Mäandern durchs Leben, ein Zickzack, machmal ein Stolpern & Holpern, ein Hinfallen & wieder Aufstehen - alles andere als ein gradliniger Weg. Natürlich kostet diese Art zu Leben viel Kraft & Energie, ich bin ja auch noch Ehemann & Vater, verbringe außerdem viel Zeit mit Einkaufen, mit Kochen & mit anderem Haushaltsdingenskram.

Vor einem Jahr war ich vertretungsweise für zwei Monate Lehrer an einem Saarbrücker Gymnasium. Nicht dass es eine schlechte Erfahrung gewesen wäre, die Kinder waren alle sehr lieb & manche sind mir in der kurzen Zeit ans Herz gewachsen. Aber ich bin froh, mich vor über zwanzig Jahren gegen diesen Job entschieden zu haben. Lehrer ist man, weil man dazu berufen ist. Künstler wird man, weil man malt oder zeichnet oder andere merkwürdige Dinge tut. Man tut diese Dinge & denkt lieber nicht darüber nach, warum man sie tut. Vielen anderen Menschen erscheinen diese Tätigkeiten sinnlos. Sie arbeiten, verdienen Geld & genießen dann ihr verdientes Geld, wenn sie Feierabend haben oder fahren damit in Urlaub. Oder gehen ihren Hobbys nach. Hobbys habe ich keine.

Aber Lehrer an einer Schule wollte ich ja nie werden.

Ich renne, so oft es geht, ins Atelier. Manchmal denke ich dort nur über meine Arbeit nach. Schaue auf weißes Papier & überlege.

Ich führe kein Leben als Malerfürst, falle nicht aus der Rolle durch übermäßigen Kokainkonsum, aber ich trinke außerordentlich gerne Wein & Pastis, gelegentlich einen Whiskey, je rauchiger, je torfiger desto lieber. Aber immer in Maßen. Ich glaube, kein Alkoholiker zu sein.

Ich fühle mich gesund, allein meine Hüften quälen mich manchmal, trotzdem ich noch sehr jung an Jahren bin.

Ich möchte meine Arbeit (& ich sage jetzt nicht Kunst!) machen. Nicht mehr & nicht weniger. Mich erfüllt das mehr als genug.

Erfolg ist eine zweischneidige Sache. Manch ein Kollege oder manch eine Kollegin hat sich in jungen Jahren viel vorgenommen. Auf sogenannten Erfolg fixiert. “Ich will berühmt werden!“ Am besten in Berlin. Was bedeuted Erfolg eigentlich? Bedeuted es, berühmt zu sein & viel Geld zu verdienen? Bedeutet es, viele fleißige Assistenten zu haben, die die Bilder malen? Eine Sekretärin anzustellen & sich nur noch um die schönen Dinge zu kümmern? Hat man vielleicht ein Atelier in Berlin & eines in New York?

Natürlich, für einen kurzen Moment hofften die meisten damals in unserem Atelier an der HBK - ich kann mich davon nicht ausnehmen - allein vom Verkauf ihrer Bilder & Artefakte zu leben. Wir hofften auf einen guten Galeristen, vielleicht auch mehrere, die uns das Geschäftliche aus der Hand nehmen würden. Man ginge täglich ins Atelier, malte seine Bilder & bräuchte sich um nichts mehr zu kümmern.

Läuft! Wie man so sagt zur Zeit.

Aber so läuft das nicht. Nicht in den wenigsten Fällen. Es ist auch normal, dass es nicht so läuft. Künstler, die von ihrer eigenen Arbeit leben, vom Verkauf ihrer Arbeiten, sind die Ausnahmen. Die sind äußerst selten. Zufall, wenn man einen trifft. Man trifft auch keine Autoren, Schauspieler oder Musiker, die von den Früchten ihrer Bestseller, ihrer Arthousefilme oder ihrer Lieder leben.

Seit vielen Jahren unterrichte ich an der HBK in Saarbrücken das Zeichnen. Diese Arbeit finde ich sehr inspirierend. Ich lerne sehr viel darüber, wie Menschen Dinge betrachten & wie sehr das Betrachten & das Erzählen, nämlich das Zeichnen, voneinander abweichen. Dann versuchen wir gemeinsam, diese beiden Dinge zur Deckungsgleichheit zu bringen. Obwohl die eher unbewussten, unabsichtlichen Abweichungen oft die interessanteren Ergbnisse produzieren. Um dann vielleicht irgendwann eine eigene Sicht auf die Dinge zu entwickeln & ganz bewusst mit Abweichungen zu gestalten. Um vielleicht über die Zeichnerei die Dinge oder die Welt besser zu verstehen, zu begreifen. Jedenfalls hat mir das immer wieder geholfen. Dazu muss man das genaue Hingucken lernen, immer wieder. Vielleicht gucke ich dann auch in anderen Bereichen genauer hin. Ich glaube das einfach. Das ist mein Credo.

Oft frage ich, wenn ich die Zeichnung einer Studentin oder eines Studenten betrachte: „Ist das Zufall oder Absicht, was da entstanden ist?“ Ich glaube an den Zufall. Beim Zeichnen allerdings sollte man sich nicht nur auf den Zufall verlassen.

Der Lehrauftrag bereichert mich; ich lerne sehr viel während der Zeichenstunden. Über die Art, wie junge Menschen ticken & wie sich die Kunst & das Denken über die Kunst verändern. Vor allen Dinge erfahre ich viel über mich & meine Arbeit.

Das Herstellen von künstlerischen Artefakten ist übrigens tatsächlich oft brotlos. Da hatte die Arbeitsberaterin recht. Berühmt, reich an Geld & Erfolg sind immer die anderen. Obwohl es immer wieder Jahre gibt, in denen ich sehr viel verkaufe oder auch mal ein größeres Kunst-am-Bau-Projekt einen warmen Geldregen für die nächsten Monate bringt - im Jahr danach läuft dann wieder gar nichts. Das ist fast schon Gesetz.

Ich denke oft über Erfolg nach. Erfolg heißt nämlich nicht nur fette Verkäufe, einen fetten Galeristen & fette Kohle. Im Gegenteil. Je länger ich als Künstler unterwegs bin (oder manchmal sehr umständlich versuche, unterwegs zu sein), desto schwieriger wird es, Erfolg zu definieren. Eine Definition könnte lauten: Wie gut, dass ich noch unterwegs bin. Ich kann meine Arbeit machen. Bilder malen. So oft es geht bin ich im Atelier. Es ist doch überhaupt ein Glück, dass das seit Jahren funktioniert, ohne dass ich wirklich dafür eine Erklärung habe.

Künstler wie Richter, Baselitz oder Jeff Koons sind glückliche Gewinner in der großen Kunstmarktlotterie. Außerdem gnadenlose Selbstvermarkter & bestimmt auch gute Kaufleute. Außerdem haben sie ihre Karriere nicht in Saarbrücken gestartet. Ich bin ja sogar im Saarland geblieben (was nicht die verkehrteste Entscheidung war).

Es gibt übrigens mehr Galeristen, die nicht von ihrer Tätigkeit als Galerist leben, als man vermutet. Eine Galerieausstellung ist schön & gut, aber nicht immer der finanzielle Burner. Kleine Galerien verkaufen an Kunstinteressierte, vielleicht mal an eine Bank oder an kleinere Unternehmen. Richtige Sammler, ich meine wirklich richtige Sammler, trifft man da selten.

„War eine schöne Ausstellung, ich verstehe nicht, warum niemand was gekauft hat.“ Aber es gibt auch Ausnahmen.

Nur ein Bruchteil der Galerien bewegt sich auf internationalem Parkett, ist regelmäßig auf Messen anzutreffen & kümmert sich um einen kleinen, erlauchten Kreis von Künstlern. Nicht wenige Galerien versuchen sich gelegentlich auf kleineren Messen & oft ist es ein Verlustgeschäft. Bei vielen Galeristen ist es ähnlich wie bei vielen Künstlern: Ihr Herz brennt für die Kunst, aber sie sind keine Kaufleute.

Ich gehe übrigens nicht nur ins Atelier wenn ich Lust habe. Ich gehe auch ins Atelier, wenn ich keine Lust habe. Wer hat denn schon Lust, permanent zu arbeiten, wenn er auch was anderes machen könnte?

Das empfinde ich als Privileg.

Meine Arbeit erfüllt mich mit Freude. Ich arbeite gern. Ich fühle eine tiefe Befriedigung, wenn ein Bild oder auch nur eine klitzekleine Zeichnung fertig ist & wenn die Arbeit außerdem einigermaßen gelungen ist.

Was nicht heißt, dass ich zufrieden bin. Ich bin selten zufrieden. Ich bin sogar meistens unzufrieden. Aber meistens bin ich glücklich beim Betrachten meiner Bilder. Für eine kurze Zeit. Es wundert mich, wenn etwas Brauchbares entstanden ist. Das ein oder andere Bild aus den letzten Jahren war gar nicht so schlecht. Und außerdem viele kleinere Papierarbeiten. Und manche Wandmalerei. Glaube ich.

Ich kann mich an lapidaren, beiläufig entstanden Skizzen erfreuen. Der Geruch von Leinöl & Terpentin hängt in meinen Kleidern. Ich beobachte gerne Dinge, Menschen oder auch die Natur in Hinblick auf ihre Tauglichkeit für ein Bild oder eine Zeichnung. Manchmal fotografiere ich. Ich schreibe gerne mit Füllfederhalter auf Papier. Es müssen nicht immer große, epische Leinwandarbeiten sein. Es müssen auch nicht immer meine eigenen Bilder sein, an denen ich mich errege. Im Gegenteil. Ich bin einfach bildergeil.

Meine eigenen Bilder betrachte ich seit jeher als in Form gebrachte Zweifel, zumindest als zweifelnde Fragen an das Leben, ohne je eine Antwort erhalten zu haben. Verrückterweise frage ich ich immer wieder aufs Neue, obwohl ich weiß, dass ich niemals eine Antwort erhalten werde. Von Bild zu Bild werden die Zweifel aufs Neue geschürt.

Der Zweifel ist nichts anderes als eine anthropologische Grundkonstante aller Künstler, vielleicht auch der einzige Antrieb überhaupt, zu schreiben, zu malen & somit zu versuchen, die Welt irgendwie ein kleines bisschen zu verstehen, ohne an ihr zu gänzlich zu verzweifeln.

Zweifeln ohne zu verzweifeln.

Das ist eine Gratwanderung. Aber ich glaube, ich wäre enttäuscht, würden irgendwann meine Fragen beantwortet & meine Zweifel zerstreut. Würden meine Bilder antworten, ich würde die Augen verschließen, ich würde versuchen, diese Antworten zu ignorieren.

In den vergangenen drei Jahren hatte ich immer wieder lange Phasen des Zweifels & der Unsicherheit. Ich fremdelte sozusagen mit meinen eigenen Bildern. Das liegt wohl auch daran, dass ich immer mal wieder - für Außenstehende Beobachter von heute auf morgen - meine bildnerischen Interessen änderte. So folgen auf lange Phasen der figürlichen Malerei längere Phasen gegenstandsloser Malerei. Sei es aus Übermut oder aus Verdruss oder weil mir gerade nichts mehr einfiel. Ich weiß es selbst nicht immer so genau, aber das Zweifeln spielt sicherlich eine große Rolle bei diesen Wechseln.

Wer wäre ich denn ohne meine Zweifel?

Das geht vorbei. Das weiß ich. Das ist immer vorbei gegangen. In solchen Momenten bin ich froh, nicht im Vorstand eines börsennotierten Unternehmens zu sitzen. So jemand kann sich ja keine Schwachheiten erlauben. Oder noch schlimmer: Ich wäre Chirurg & ein Patient stürbe während einer routinemäßigen Blinddarmoperation. Weil ich einfach mal schlecht drauf war.

Während ich permanent scheitern darf - ja, scheitern muss! Ohne Scheitern geht es nicht weiter. So sehe ich das. Ich darf monatelang arbeiten & dann feststellen: Alles für die Katz. Noch mal von vorne. Das ist manchmal deprimierend.

Aber auch: Welch ein Luxus!

Arbeiten & scheitern! Das muss man sich einfach mal vorstellen! Ins Atelier gehen, zeichnen, wegschmeißen, malen, abwaschen. Oder einfach die Papierarbeiten des Tages in den Müll schmeißen. Nach Hause gehen. Am nächsten Tag wieder anfangen. Weitermachen.

Ein glückliches Künstlerleben mit dem Zweifel & der ganzen Ungewissheit. Und diesen verrückten Zufällen.

Ich wollte nichts anderes leben.



Donnerstag, 24. Mai 2018

Fragmente & Verborgenes


Sabrina Sperl
Habitat, 2013
Ölfarbe und Tempera auf HDF, 25 x 20 cm


Meine Kollegin Sabrina Sperl bat mich, zu ihrer Ausstellungseröffnung in der Union Stiftung in Saarbrücken ein paar Worte zu verlieren. Was ich sehr gerne tat.


Sabrina Sperl
„Fragmente und Verborgenes“
Ausstellungseröffnung 25.05.2018
Union Stiftung, Saarbücken

Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren,

es ist mir eine Freunde und eine Ehre zugleich heute Abend einige Worte über die Arbeit meiner sehr geschätzten Kollegin Sabrina Sperl verlieren zu dürfen. Ich versuche das aus meiner sehr persönlichen Sicht des Malerkollegen, in der Hoffnung, ihrer Arbeit damit einigermaßen gerecht zu werden.

Ich möchte nicht verhehlen, dass ich ein großer Bewunderer von Sabrina Sperls Malerei bin, seit mir ihre Werke zum ersten Mal begegnet sind - es war so um 2002/2003 im Atelier der Klasse von Professor Sigurd Rompza, bei dem sie von 1998 - 2003 an der HBK Saar studierte und auch ihr Diplom machte.

Bereits damals fielen mir auf: sowohl ihr hohes Maß an Selbstständigkeit und Eigenständigkeit als auch damit einhergehend die frühe Emanzipation der Künstlerin von ihrem Lehrer und von der konkreten Kunst.

Über ihre Malerei sagt sie unter anderem: „Das Abstrakte interessiert mich nicht genug; ich kann nicht abstrakt malen. Ich möchte konkret malen im Sinne von erkennbar, sichtbar.“

Das eigentlich Auffallende an diesen Arbeiten war, dass sie zunächst - bei erster Betrachtung - nicht auffielen durch Größe, Monumentalität, Lautheit, Geschrei und Getöse. Sondern: diese Arbeiten waren klein und feinsinnig, dadurch von einer gewissen Privatheit und selten größer als vielleicht zwei oder drei Handteller.

Man musste schon ganz nah hingehen und genau beobachten: Es waren kleine Räume - ja, Kammerspiele im wörtlichen Sinn, in die man als Betrachter förmlich hineingezogen wurde - wenn man sich denn darauf einließ.

Die Künstlerin selbst nennt die Arbeiten, an denen sie bis ca. 2008 arbeitete, schlicht „Kasten“. Das ist bescheiden und greift zu kurz, sind es doch komplexe und zugleich subtile Untersuchungen des Raumes an dreidimensionalen Bildkörpern mit den Mitteln der Malerei.

Kleine Kisten, oft aus Pappe oder Holz, bemalt, teilweise gesägt und geschlitzt, den Blick von der Oberfläche auf ein zumeist schwarzes, bodenloses Innere lenkend. Gelegentlich auch mit Stoff oder Gaze bespannt, die Räumlichkeit konterkarierend. Unendliche Räume in kleinstem Format.

Dabei besaßen einzelne Arbeiten trotz ihrer kleinen Abmessungen monumentalen Charakter, es eröffneten sich dem Betrachter große Bildräume, Landschaften und architektonische Verschachtelungen und bei alledem sind sie eines: Malerei im Raum.

Es war aber weniger das Dargestellte, das Gezeigte und Sichtbare, was mich damals neugierig machte.

Es war die Haltung der Künstlerin, die ich in diesen Objekten zu erkennen glaubte und genau diese Haltung bestätigte sich auch immer wieder im Laufe der Jahre, nachdem ich Sabrina Sperl näher kennenlernte: Hier zeigte sich mir eine sehr sensible Malerin, der eine sehr konzentrierte, fast schon meditative Art zu denken, zu beobachten und zu malen eigen war.

Das beginnt schon bei der Auswahl und Vorbereitung ihrer Malgründe: Holz, PDF-Platten oder Pappe, vorbereitet und grundiert nach Rezepten alter Meister. Überwiegend Kasein- oder Halbkreidegründe. Allein die Vorbereitung zur Malerei zeugt von großer handwerklicher Kenntnis und Präzision. In ihrer Malerei schließlich - ausgeführt in Tempera oder Öl auf kleinster Fläche - ist eine hohe Konzentration und Liebe zum Detail zu spüren.

Diesen Aufwand an Zeit und Handwerk spüre ich immer ganz deutlich beim Betrachten der Arbeiten dieser außergewöhnlichen Künstlerin. In jedem Bild steckt eine unglaubliche Energie. Und es ist unter anderem ist diese Energie, die den Reiz und die Faszination von Sabrina Sperls Malerei auf mein Malerauge ausübt. Ich kann ganz nah herantreten und mit meinen Augen langsam in diesen Preziosen spazieren gehen, ohne dass je ein Gefühl von Langeweile oder Ermüdung aufkäme. Überhaupt scheint Zeit in Sabrina Sperls Bildern keine Rolle zu spielen - weder, was den langwierigen Entstehungsprozess betrifft noch während der Betrachtung des fertigen Bildes. Ich kann mich in diesen Bildräumen verlieren - so wie sich wohl die Künstlerin bei ihrer Arbeit im Bild verliert - und ich meine das im positivsten Sinn des Wortes - ohne sich je zu verirren. Ich kann mir die Zeit vertreiben in diesen Bildern auf diese für mich als Maler angenehmste Weise. Diese Bilder verweigern sich dem schnellen Konsum und dem flüchtigen Blick, unwillkürlich finde ich mich in der Haltung der Künstlerin; ein meditatives Bildbetrachten ergreift mich.

Auch heute, in der aktuellen Ausstellung in der Union Stiftung, sehen wir wieder überwiegend kleine Malereien. Präsentiert auf eigenen Malgründen aus Holz, ähnlich einem Passepartout, damit sie sich vom schwierigen Umfeld lösen und ihre Kraft im Raum entfalten können. Die Holzhintergründe erleichtern es mir, mich in die Bilder zu versenken.

Formal und motivisch allerdings hat Sabrina Sperl ihre Bildsprache in den letzen Jahren erweitert. Die Ellipse dominiert viele ihrer Bilder und Bildobjekte. Einerseits als Malgrund, bestehend aus einer oder mehreren Ellipsen, der den Blick auf ihre Landschaften, Architekturen oder auch scheinbar zufällig agierenden Menschen fragmentiert, andererseits als Ausschnitt im Bildraum, eine Art Leerstelle, die dem Betrachter einlädt, den Raum zu vervollständigen und neu zu interpretieren. Leerstelle und Raum zugleich.

Die Bildmotive sind meist Beobachtungen aus dem unmittelbaren Umfeld: ein Blick aus dem Wohnzimmerfenster, Menschen im Saarbrücker Stadtraum, alltägliche Situationen. Realistische Details nach eigenen Fotos, Strukturen aus Raum und Architektur finden feinsinnig und detailgenau beobachtet und gemalt Eingang in ihre Malerei.

Allerdings ist es keine Malerei nach Fotos, vielmehr ist es ein Verwerten von Fotos, die gegebenenfalls von der Künstlerin auch verändert und neu komponiert werden.

Ihre Arbeit zeigt ein Wechselspiel zwischen Körper und Raum, positiv und negativ, Sichtbarem und Verborgenem, zwischen Fragment und Vollständigkeit.

Dabei bezieht sie bei einigen Arbeiten in dieser Ausstellung den Rand der Holzkörper in ihre Farbgestaltung mit ein. Jedes Bild, jedes Objekt, jeder Bildkörper ist gleichzeitig auch Ergebnis und Ausdruck des Nachdenken über die Möglichkeiten Malerei.

Sie selbst spricht über die Entdeckung der Ellipse von einer universellen Form ohne Bedeutung, entwickelt aus der Beobachtung und Zeichnung von Betonkübeln an der Akademie in Tier bei Jochen Stenschke, wo sie vor ihrem Studium an der HBK ein kurzes Gastspiel hatte.

Bis auf die Installation im Treppenhaus mit den größeren Ellipsen ist Sabrina Sperl in dieser Ausstellung dem kleinen Format treu geblieben. Klein, aber ungeheuer präsent.

In ihren malerischen und formalen Untersuchungen lotet Sabrina Sperl zahlreiche Nebenwege aus, die sich aus ihrer Arbeit und ihren Überlegungen mit dem Material ergeben. Sie isoliert bildnerische Elemente und variiert sie unentwegt und untersucht sie auf ihre Tauglichkeit fürs Bild.

Die älteste Arbeit in der Ausstellung ist von 2013: „Habitat“ ist der Titel. Sabrina Sperl spricht von einem „Urbild“ für die kommenden Jahre. Wir sehen ein durch Quadrate, Rechtecke und Ellipsen fragmentiertes, zweidimensionales Bildmotiv. Eine profane Hinterhofidylle, meisterhaft ausgeführt, ein Leckerbissen für meine Augen.

In den folgenden Jahren variiert die Künstlerin die Grundelemente der Gestaltung diese Bildes an unzähligen zwei- und dreidimensionalen Bildern, Bildkörpern und Objekten immer wieder aufs Neue.

Auch hier zeigt sich wieder diese Haltung, die mir so imponiert: Alles wird mit Stetigkeit und Geduld vorangetrieben und ausgearbeitet. Keine Mühe, kein Aufwand scheint lästig oder zu groß.

Das Spektrum der Ausdrucksmöglichkeiten ist seit meiner ersten Begegnung an der HBK vielfältiger geworden, die Arbeiten reifer und vielschichtiger. Sie bewegt sich spielend und spielerisch zwischen Abstraktion und Figuration, zwischen Malerei und Objekt. Ein großer Spagat innerhalb einzelner Arbeiten, aber oft auch auch von Arbeit zu Arbeit. So sind auch Objekte zu sehen, in denen fragmentierte, auf kleine rechteckige und quadratische Bildträger gemalte Bildausschnitte sich stufenweise dem Betrachter spiralförmig gleichsam entgegen schrauben. Auch sie sind das Ergebnis aus zahlreichen Untersuchungen, auf die sie beim Betreten ihrer Nebenwege stößt. Ihre Wachsamkeit lässt keine Möglichkeit aus, immer wieder neue Formen zu finden.

Sabrina Sperls Kunst ist trotz ihrer meist kleineren Formate ungeheuer kraftvoll und frisch, ihre künstlerische Haltung macht dieses Werk vor allem anderen aber zeitlos in jeder Hinsicht.

Ich möchte sie einladen, vor diesen Bildern und Objekten zu verweilen. Flanieren sie in den den Bildwelten und -räumen von Sabrina Sperl und lassen sie ihren Blick und ihre Gedanken schweifen. Sie werden reich belohnt!

Und vor allem: Lassen sie sich Zeit!


Sabrina Sperl
„Fragmente & Verborgenes“
Eröffnung: Freitag, 25. Mai 2018, 19:00 Uhr
25. Mai - 29. Juni 2018
Mo - Do von 8:30 - 17 Uhr
Fr von 8:30 - 15:00 Uhr

Union Stiftung
Steinstraße 10
66115 Saarbrücken
https://www.unionstiftung.de



Dienstag, 15. Mai 2018

Nachts im Elsass


Ohne Titel („Überstürzter Aufbruch“), 2018
Öl auf Leinwand, 90 x 90 cm



Samstag, 12. Mai 2018

Mactrum


Ohne Titel, 2018
Aquarell auf Aquarellpapier auf Papier, 48 x 56 cm



Freitag, 11. Mai 2018

Mactrum


Ohne Titel, 2018
Aquarell auf Aquarellpapier auf Papier, 48 x 56 cm



Donnerstag, 10. Mai 2018

Mactrum


Ohne Titel, 2018
Aquarell auf Aquarellpapier auf Papier, 48 x 56 cm



Sonntag, 15. April 2018

Frage


Ohne Titel, 2018
Öl auf billigem Papier, 29,7 x 21 cm


Von hier aus sollte es irgendwie weiter gehen. Überhaupt gehen. Allerdings weiß ich noch nicht wie & wohin.





Montag, 9. April 2018

Friedel


Ohne Titel („Friedel Läpple“), 2018
Acryl, Öl auf Leinwand, 100 x 80 cm




Montag, 19. Februar 2018

Tag 7


Je Ohne Titel, 2018
Bleistift, Filzstift in Skizzenbuch, ca. 25 x 19 cm



Tag 7




Getackert, gezeichnet fürs Leben.



Mittwoch, 14. Februar 2018

Tag 2


Ohne Titel, 2018
Bleistift, Filzstift in Skizzenbuch, ca. 25 x 19 cm



Dienstag, 13. Februar 2018

Tag 1


Ohne Titel, 2018
Bleistift, Filzstift in Skizzenbuch, ca. 25 x 19 cm


Am Tag nach der OP. Umnebelt, aber schmerzfrei.



Mittwoch, 31. Januar 2018

Letzte Selbstvergewisserung


Ohne Titel („Selbst“), 2018
Acryl, Öl auf Leinwand, 50 x 40 cm



Montag, 22. Januar 2018

Baby


Ohne Titel, 2018
Bleistift in Skizzenbuch (aufgeklappt)
ca. 25 x 38 cm