Samstag, 31. Januar 2015

Europa-Institut: Ein Nachtrag.



































Manchmal dauert etwas länger, bis ich eine Arbeit dokumentiere. Im Fall des Europa-Institutes an der Universität in Saarbrücken dauerte es fünf Jahre, bis ich wieder in den Räumen war & ein paar Fotos schießen konnte. Und dann nochmal zwei Jahre, um einige, eher schlechte Fotos hier einzustellen. Die Licht- & Raumsituation vor Ort ist kompliziert. Zu kompliziert für meine bescheidenen Fotografierfähigkeiten.

Zur Erinnerung: Drei Stockwerke, ein Treppenhaus.

Vorgabe: vier Arbeiten sollten in bereits vorhandene Vitrinen & Nischen installiert werden (Die ersten sechs Fotos auf der Seite). Was mir eigentlich überhaupt nicht gefiel. Ganz & gar nicht. Ich mag es nämlich nicht, wenn ich meine Arbeit räumlichen Gegebenheiten anpassen & somit unterordnen muss. Wir haben lange überlegt. Irgendwann habe ich mich mit dem Gedanken an die Rahmen angefreundet. Vielleicht, weil die Arbeiten so herrlich deplatziert erscheinen. Überhaupt, das ein oder andere, was ursprünglich geplant war, war technisch nicht möglich & musste vor Ort verändert werden.

Die beiden über 4 Meter langen Vitrinen sind von schweren, dunklen Metallrahmen eingefasst. Die Arbeiten darin wirken besser als ich anfangs vermutete. Fremdartig.

Die beiden Hochformate reichen bis zum Boden; hätte ich freiwillig nie an diesen Platz in dieser Form gehängt oder installiert. Das Konglomerat von unterschiedlichen Türen, Bodenbelägen, unruhiger Architektur und der heftigen Farbigkeit in den Bilder erinnert an eine Collage. Unterschiedliche, einander widersprechende Realitäten prallen unvermittelt aufeinander.

Eigentlich unmöglich, aber so ist das wohl in Europa derzeit. Nicht immer schön. Leider. Aber dadurch sind die Bilder nicht einfach nur Aufhübschung der Räume. Sondern versuchen sich trotz der Vorgaben zu behaupten. Störrisch & widerspenstig.

Der Rest - unregelmäßig geschnittene Platten (ähnlich wie hier) – frei auf der Wand.

Man rauft sich zusammen & wundert sich, dass alles irgendwie funktioniert.



Samstag, 24. Januar 2015

Falsche Entscheidung


Ohne Titel, 2015
Bleistift, Sprühlack, Monotypie, Öl auf Papier
44 x 64 cm



Freitag, 23. Januar 2015

Dem verlorenen Bruder


Ohne Titel, 2015
Bleistift, Sprühlack, Monotypie, Öl auf Papier
33 x 44 cm



Donnerstag, 22. Januar 2015

Abwarten


Ohne Titel, 2015
Bleistift, Sprühlack, Monotypie, Öl auf Papier
70 x 100 cm



Mittwoch, 21. Januar 2015

Hoffen


Ohne Titel, 2015
Bleistift, Sprühlack, Monotypie, Öl auf Papier
70 x 100 cm



Dienstag, 20. Januar 2015

In situ: Ende offen


Ohne Titel, 2015
Bleistift, Sprühlack, Öl auf Papier
70 x 100 cm



Samstag, 17. Januar 2015

Zwei Stunden


Unbekannter Urheber,
Ohne Titel, 2015
Aquarell, Tusche auf Papier, ca. 21,5 x 29,7 cm


Zwei Stunden Aktzeichnen an der HBK. Dieses Blatt fand ich anschließend im Mülleimer. Ein Pinselabstreif- & Farbausprobierblatt.



Freitag, 16. Januar 2015

Clash


Ohne Titel, 2015
Bleistift, Aquarell, Sprühlack, Monotypie, Öl auf Papier
56 x 76 cm
Privatbesitz



Mittwoch, 14. Januar 2015

Follower


Ohne Titel, 2015
Bleistift, Sprühlack, Monotypie, Öl auf Papier
56 x 76 cm



Dienstag, 13. Januar 2015

Second


Ohne Titel, 2015
Bleistift, Sprühlack, Monotypie, Öl auf Papier
56 x 76 cm



Montag, 12. Januar 2015

Weiter


Ohne Titel, 2015
Bleistift, Sprühlack, Monotypie, Öl auf Papier
56 x 76 cm

Aus Versehen „Torchon“ gekauft.

Geht gar nicht!



Freitag, 9. Januar 2015

Beispiele sozialer Plastik in Nantes






















Wenn auch nur temporär, aber trotzdem ein durchaus gelungenes Beispiel für die praktische Anwendung des beuysschen Gedankens der sozialen Plastik:

Bürger gestalten ihre Stadt.

Findet man bestimmt nicht nur in Nantes.



Donnerstag, 8. Januar 2015

Nantes hängt














Es ist besser gworden als ich dachte. Die großen Formate reißen es raus. Da kommt dann was zum Schwingen. Bei großen Formaten fallen die Schnüre nicht allzusehr ins Auge. Glücklich bin ich nicht. Auch nicht zufrieden. Erleichtert, dass es nicht ganz in die Hose gegangen ist.

Kommt alle, die Ihr mühselig & beladen seid!



Mittwoch, 7. Januar 2015

Je suis Charlie!




Natürlich bin ich nicht Charlie. Ich weiß auch nicht, ob ich die Eier hätte, Charlie zu sein. Wahrscheinlich eher nicht. Im Gegensatz zu Stéphane „Charb“ Charbonnier habe ich außerdem Kinder, eine Frau, ein Auto & Schulden.

Mir fehlen die Worte. Dann wenigstens ein Zeichen.

Mein Mitgefühl gilt den Hinterbliebenen der Opfer und den Verletzten.

Ich bin traurig.






Such die Kunst!



Auch in Nantes pflegt man einen ähnlichen Umgang mit der Kunst im öffentlichen Raum wie in Saarbrücken.



Nicht Abwegig: Installation & Zufall




Nicht schlecht, die Konstellation. In Räumen dieser Art ergeben sich auf wundersame Weise überraschend neue Aspekte.



Nantes


Ohne Titel („K. dans le B.“), 2014
Kugelschreiber, Skizzenbuch, ca. 29,7 x 21 cm




Dienstag, 6. Januar 2015

Jekyll and Hyde










Die schwierigsten Räume ever. Keine Räume. Eher Passagen, Durchgänge, Flure. Eigentlich gar keine Räume. Nichträume. Unräume. Schrecken aller Künstler. Weiße Wände, graue Wände. Und dann noch Schnüre, sog. Hängeschnüre. Ich hasse Hängeschnüre. Augsburger Puppenkiste. Das Grauen! Da verkommen meine Gedanken zur bloßen Dekoration, zur Aufhübschung! Meistens jedenfalls. Aber vielleicht kann ich das ja ein kleines bisschen nur verändern. Diesem Albtraum von Raum einen Klang zu verleihen.

Ich werde mein Bestes geben.




Nantes


Ohne Titel („K. dans le H.“), 2014
Bleistift, Kugelschreiber, Skizzenbuch
ca. 21 x 29,7 cm



Freitag, 2. Januar 2015

Teuer.

Einmal, vor längerer, vor sehr langer Zeit, hatte ich eine Ausstellung in einem sehr kleinen Kunstverein in einer sehr tiefen Provinz.

Der Leiter des Kunstvereins sagte:
„Wir haben schöne Räume. Stammpublikum. Aber verkauft wird in aller Regel nur, wenn ein Lokalmatador ausstellt. Und auch da eher selten. Wir leben in einer armen Region. Früher haben wir viel verkauft. Aber die Zeiten haben sich verändert. Alles ist schlechter geworden. Die Leute geben weniger Geld für Kunst aus.“

Spontan überlegte ich mir, meine Arbeiten etwas günstiger anzubieten. Genauer gesagt, um die Hälfte günstiger. Ich weiß nicht, welcher Teufel mich ritt. Außerdem geben die Leute immer mehr aus für Kunst. Auktionsrekorde allerorten. Nun ja. Halt nicht in der tiefen Provinz. Und dass sich die Zeiten ändern ist auch keine bahnbrechende Erkenntnis.

Möglicherweise dachte ich, ich könnte auf diese Weise eher was verkaufen. Überhaupt mal was verkaufen. In einem kleinen Kunstverein. In der Provinz. Kleine Preise für eine arme Gegend, um so einen Teil meiner Kosten einzuspielen. Bescheuert.

Ein Test.

Die Vernissage war gut besucht. Das Publikum interessiert & informiert. In kleinen Kunstvereinen ist das Publikum meistens interessiert & informiert. Auch in der Provinz.

Eine auffällig kostümierte ältere Dame mit einem ungewöhnlichen Hut, Modell Ascot, stand vor einer kleinen Leinwand. Andächtig, nachdenklich. Ein wenig affektiert, mit der Preisliste durch die Luft fächernd.

Zuerst dachte ich: „Künstlerin! Oder vielleicht Leiterin der Kinder- & Jugendmalschule vor Ort?“

Der Leiter des Kunstvereines stellte mich vor. Frau M., eine wichtige Persönlichkeit der Stadt. Sehr „kunstaffin“. Mitglied des Kunstvereins. Sammlerin. Sie verwickelte mich sofort in ein Gespräch über den ungewöhnlichen Kolorit meiner Arbeiten, im Besonderen aber jener Arbeit, vor der wir gerade standen. Die irgendeine Seite in ihr zum Schwingen & Klingen brachte, die sie anrührte, die Erinnerungen weckte. Sie geriet heftig ins Schwärmen, beschrieb Form & Komposition in ausladenden Gesten, beschrieb den Platz in ihrer Wohnung, wo meine Arbeit ihrer Meinung nach hängen sollte. Müsste.

Unbedingt.

Allein - mein Preisniveau sei zu hoch, zu hoch für die Region, zu hoch für den Kunstverein, ja, auch zu hoch für sie. Meine Arbeiten seien: teuer. Ob man da etwas am Preis machen könnte.

Wer mich kennt, weiß um meine höfliches, freundliches Wesen. Auch wenn ich sehr sehr verärgert war & lieber ohne genau dieses dämliche Gespräch in einer Ecke gestanden hätte, das bunte Treiben beobachtend & vor allen Dingen meinen Wein genießend. Stressfrei.

Ich erzählte etwas über die im Preis seienden Mehrwertsteuer, die von mir getragenen Transportkosten, den Anteil des Geldes, welches der Kunstverein im Falle eines Verkaufes erhält.

Und so weiter. Sinnlose Begründungen. Energie-, Zeit- & Luftverschwendung. Ich sagte, dass man da nichts am Preis machen könnte, weil die Bilder ihren Preis wert seien. Preiswert. Also das Gegenteil von teuer.

Was bedeuted überhaupt teuer? Teuer in Bezug auf was? In Bezug auf eine Currywurst um die Ecke? Oder etwa in Bezug zu einem neuen Porsche oder einer Bulthaupt-Küche, einen Neo Rauch oder einen Gerhard Richter? Teuer in Bezug auf den roten Hut auf dem Kopf der kunstaffinen wichtigen Persönlichkeit & Sammlerin? Teuer? Zum Teufel! Teuer ist ein Schimpfwort! Dachte ich.

Nein. Nichts sei am Preis zu machen. Gar nichts. Grundsätzlich. Von meinem „Test“ erwähnte ich nichts.

Ja, so sei das mit den Künstlern. Könnten nicht vom Verkauf leben, aber kein Wunder. Die wenigsten seien Geschäftsleute.

„Ihre Haltung imponiert mir. Vielleicht überlegen Sie sich es ja noch einmal im Lauf der Ausstellung. Dauert ja noch ein bisschen.“

Ich habe mir nichts überlegt, bewahrte meine Haltung. Verkauft habe ich auch nichts an diesem Abend. Und auch nicht im Verlauf der folgenden Wochen.

Ja, so ist das mit den sehr kleinen Kunstvereinen in sehr tiefen Provinzen.

Die Dame mit dem ungewöhnlichen Hut habe ich nie mehr gesehen.



Entwurf


Ohne Titel, 2015
Mischtechnik auf Papier, 21 x 29,7 cm