Mittwoch, 1. September 2010

Einzig


Ohne Titel, 2010
Bleistift, Skizzenbuch, ca. 25 x 19 cm


Gestern auf der Intensivstation:

Die Lungenbeatmungsmaschine oder so am Nachbarbett zeichnete zusammen mit der Atmung eines Patienten wunderschöne Kurven auf einen Bildschirm. Ständig musste ich auf diesen Bildschirm gucken. Und zum ersten Mal die Erkenntnis: Jeder Atemzug ist einmalig! Einmalig tief, einmalig lang … kein Atemzug gleicht dem anderen. Selbst die Pausen zwischen zwei Atemzügen: immer unterschiedlich lang. Oder kurz. Es gibt keine Regelmäßigkeit. Keine Wiederholungen. Jede Kurve, jeder Gipfel, jedes Tal ist einzigartig!

Regelmäßigkeit ist eine unglaubliche Erfindung. Regelmäßigkeit ist was völlig Abstraktes. Ist in der Natur überhaupt nicht vorgesehen. Bestenfalls Annäherungen an Regelmäßigkeiten. Wir versuchen unser Leben, Regelmäßigkeiten zu unterwerfen & dabei vergessen wir, dass wir allein von den Abweichungen der Regel bestimmt werden. Das Straucheln, Stolpern, das aus-der-Bahn-geworfen-werden …

Jeder Augenblick ist einzigartig.

Genießt ihn!



Kommentare:

blaumann hat gesagt…

Ach ja ...

Dirk hat gesagt…

Mach ich. Aber leider nicht oft und bewusst genug. Versuch ich.

susannehaun hat gesagt…

Ja, Armin, da hast du absolut recht.
Was ich erstaunlich finde ist, dass einem das nirgendwo bewußter wird wie auf der Intensivstation. Ich lag 2008 zwei Wochen auf dieser Station und seitdem ist mir jeder Augenblick bewußt!
Gruß Susanne

Armin hat gesagt…

Es war diese Unregelmäßigkeit in der Regelmäßigkeit, die mich beeindruckte. Und die daraus resultierende Einzigartigkeit.

Regelmäßige Atmung, regelmäßiger Puls, unsere regelmäßige Wiederkehr der Jahreszeiten …

Die Erkenntnis war auch nicht wirklich neu für mich – aber aber die Verbildlichung als Diagramm machte mir das zum ersten Mal bewusst sichtbar – & auch nur, weil immer mal wieder der Atem für Sekunden aussetzte.

Zeichnung eben.