Freitag, 27. August 2010

step in the arena




„Solange die materielle Existenz des Künstlers und seine Möglichkeit, zu arbeiten, nicht dauerhaft bedroht ist, lässt sich sein wirklicher Erfolg einzig an der Konsequenz und der unverwechselbaren Eigenart seiner Arbeit und seines Lebens durch die Jahre ablesen.“

28.08. bis 26.09.2010
Fr, 27. August 2010, 19:00 Uhr:
Eröffnung der Ausstellung
mit einer Performance von Patrycia German


Ein spannendes Projekt in ungewöhnlichen Räumen, kuratiert von Alexander Minor und Johannes Lotz.



Kommentare:

klaus hat gesagt…

Wie wäre der umgekehrt geschlossene Satz?:
"Solange die materielle Existenz des Künstlers und seine Möglichkeit zu arbeiten bedroht ist..." - wie ginge der Satz dann weiter? An der Stelle wird's wirklich spannend...

Armin hat gesagt…

Möglicherweise spannend, ja. Oder aber auch traurig.

Das nebeneinander von „Etablierten“, Studenten & Künstlern, die irgendwie dazwischen ihren Weg gehen, macht den Reiz der Ausstellung aus. Keinen Namensschildchen, keine Preislisten, aus denen man die Urheber der Werke erfahren könnte.

Zudem verwischt der morbide Charme der Architektur die Unterschiede zwischen den einzelnen Positionen noch mehr: Manche Arbeit wäre im sterilen White Cube einer Galerie besser aufgehoben, weil sie sich nicht behaupten kann in diesem Umfeld.

Rätsel raten. Ist das jetzt Kunst oder Architektur oder Müll? Einfach nur ein vergammelter Farbfleck? Malerei?

Aber das spielt hier nicht so sehr die Rolle.

"Solange die materielle Existenz des Künstlers und seine Möglichkeit zu arbeiten bedroht ist …" – ist ein anderes Thema.

Zumal aus meiner Sicht die materielle Existenz & die Möglichkeit zu arbeiten ja bei den meisten Kollegen sowieso bedroht ist.

Täglich.

Wir bewegen uns alle auf dünnem Eis.

nörgelklaus hat gesagt…

Komme erst heute dazu, darauf wieder zu antworten. Ich hab mich an dem Satz sehr gestört, wusste aber nicht warum. Jetzt ahne ich meinen Widerwillen. Er entzündet sich einerseits an dem Wort "Erfolg", als ob es darum ginge, einen solchen, wie auch immer zu haben. Und er entzündet sich an der Verbindung zum Materiellen. Ob die Arbeit und Existenz nun materiell bedroht ist oder nicht, so kommt es, denke ich mal, IMMER darauf an, sich selbst als Mensch mit all seinen Bedingtheiten ernst zu nehmen, sich zu erkennen und vielleicht sogar weiterzuentwickeln. Für Künstler heisst das dann, dass sich das dann natürlich auch schlussendlich in einer Art "Werk" manifestiert. So schmal oder umfangreich wie auch immer - egal. Für Menschen, die sich anders mitteilen oder sich sogar einem sozialen Kontext entziehen, gilt das ebenso. Ihr "Werk" sieht anders aus. Auf dem Sterbebett zu liegen und zu sagen: Scheiße, das war jetzt glaube ich nix gewesen, das ist nicht Sinn der Übung.
Wenn dies mit dem Wort "Erfolg" gemeint sein sollte, was ich durchaus annehmen könnte, dann gibt es immer noch diese Kausalverknüpfung mit dem Materiellen. Dort fängt das falsche Denken an.
Dass in der Ausstellung der Kontext ein anderer ist, die Namensschildchen inexistent (wobei die Kuratoren sich auf ihrer website bemühen, diese Dinge wieder aufzuheben, und sich der Neugier des nachforschenden Betrachters, wenn man bösartig wäre, könnte man auch sagen, sich dann doch wieder den Gesetzen eines Marktes, zu beugen...), die Mischung von Etablierten und Studienten (warum eigentlich nicht auch das ein oder andere Werk von "Amateuren", um das ganze noch zu steigern?)ist immerhin ein interessanter Ansatz.

Armin hat gesagt…

So weit liegen wir gar nicht auseinander:

„… lässt sich sein wirklicher Erfolg einzig an der Konsequenz und der unverwechselbaren Eigenart seiner Arbeit und seines Lebens durch die Jahre ablesen.“

Es ist die Frage, wie Du Erfolg definierst & ob Du die „Verknüpfung an das Materielle“ unbedingt darin sehen willst (Tatsächlich habe ich diese Verknüpfung nicht automatisch gesehen. Vielleicht, weil für mich „Erfolg“ eben & mittlerweile auch dies bedeuten kann: Einfach zu „arbeiten“. Dranbleiben. Auch: die Arbeit Ernst nehmen, ja. Vielleicht auch weiter entwickeln. Oder anders entwickeln. Oder einfach nur einen Standpunkt einnehmen, etwas entdecken, eine Haltung zur Welt finden.

Überlebensstrategien entwickeln, die es ermöglichen, zu arbeiten.

Wie auch immer.

Möglicherweise stört das Wort „einzig“ in dem Zusammenhang. Aber für mich lässt genau dieser Satz mehrere Möglichkeiten zu:

Erfolgreich arbeiten kann auch bedeuten: Du tust was Du tust, weil Du es tust. Egal, ob von irgendjemandem bemerkt oder unbemerkt.

Welches andere Wort könnte „Erfolg“ ersetzen?

Vielleicht „Konsequenz“? Oder „Befriedigung“? „Erkenntnis“?

Johannes hat gesagt…

Hallo Armin, hallo Klaus

habe eben zufällig den Blogdialog zu unserer Gruppenausstellung im Internet gefunden und fand ihn sehr interessant, weil er natürlich den Zwiespalt spiegelt, in dem ich mich fühle, indem ich diese Ausstellung mit kuratiere und auch den Zwiespalt, der in diesem Text mitschwingt (hab ihn verfasst).
Für mich ist Künstler-Sein nichts anderes als ein tägliches Eintauchen ins Paradoxe, und das schließt natürlich das "Materielle" mit ein. Als Künstler hinterlassen wir materielle Dinge und bieten diese an. Gleichzeitig haben wir die Verantwortung (oder bilden uns das ein), Immaterielles zu kommunizieren.
Der Text zur Ausstellung ist nicht konsequent mit der gleichzeitigen Erwähnung der Namen der Künstler und ihrer Galerien auf der Webseite. Inkonsequenz ist hier nicht unbedingt Programm aber sozusagen ein Teil vom Thema. Wir sind ja nicht im Kloster. Als Künstler das "Materielle" ablehnen?
Ist das nicht auch irgendwie inkonsequent, Klaus?
Gruß, Johannes