Dienstag, 9. März 2010

Über Fotografie





Vor sehr langer Zeit, vor Ewigkeiten, fast wäre ich geneigt zu sagen: vor meiner Zeit – erfüllte ich mir einen großen Wunsch:

Von meinem ersten Sold während des sog. Zivildienstes erwarb ich eine Spiegelreflexkamera. Eine XGM von Minolta. Dazu – nach & nach – diverse Wechselobjektive für diverse Zwecke.

Im meinem Jugendzimmer unter dem Dache des elterlichen Hauses richtete ich mir eine Dunkelkammer ein, wo ich des Nachts Filme entwickelte & Bilder vergrößerte.

Jugendzimmer.

Das waren Teppichboden, Bett, Kleiderschrank, Schrankwand mit integriertem Schreibtisch. Gelb. Schwarz. Laminat.

Und Staub. Jede Menge Staub. Staub bist Du & zu Staub wirst Du. Staub ist der Feind des Fotografen. Staub ist der Feind in der Dunkelkammer. Staub auf dem Objektiv, Staub auf dem Film, Staub auf dem Schlitten im Vergrößerer, Staub auf dem Fotopapier. Staub überall. StaubStaubStaub.

Aber das Bad war um die Ecke. Für die Chemikalien. Für das Fixieren & das Wässern. Für das Wasser lassen.

Fotoarbeit in staubiger Atmosphäre macht nämlich durstig.

Schwarzweiß-Filme. Schwarzweiß-Abzüge. Papiere. Ich vernichtete Unmengen von Material.

Berge von Abzügen: Landschaften, Menschen, Stillleben. Zum Beispiel war ich ein großer Fan der Pseudo-Solarisation.

Einmal – während des Studiums – hielt ich ein Referat über die „Subjektive Fotografie” von Otto Steinert.

Danach warf ich, bis auf ein oder zwei Fotos – alle Berge von Abzügen in die Tonne, verkaufte meinen Vergrößerer & den ganzen Rest an meine Kommilitonin Rita & widmete mich von da an nur noch der Zeichnung & der Malerei. Die Minolta behielt ich, bis sie ihren Geist aushauchte.

Mittlerweile knipse ich seit einigen Jahren wieder. Digital.

Aber das ist eine andere Geschichte.



Kommentare:

susannehaun hat gesagt…

Welch' schöne Geschichte!

Ich habe als Jugendliche die Minolta SR II TX von meinem Vater anektiert.
Ich kann deine Beschreibung gut nachvollziehen.

Meine Fotoleidenschaft fand ein radikales Ende, als der Apfelsaft meiner besten Freundin umfiel und sich in Papas Kamera ergoss.

Jetzt habe ich eine digitale Ixus Canon zum knipsen und dokumentieren.

Gruß Susanne

Romeyke hat gesagt…

Was ist denn jetzt mit den ein oder zwei Photos? Die wollen ja nun hier gezeigt werden, oder ? K.

Armin hat gesagt…

Katja, Du bringst mich in Verlegenheit – aber auch die letzten ein oder zwei Arbeiten sind – so scheint es – vorerst verschollen.

Soweit ich mich erinnere, handelte es sich um Aufnahmen, die ich seinerzeit auf dem Weg zur Documenta 8 von Saarbrücken nach Kassel aus dem fahrenden Auto schoss. Ich hielt die Kamara am Trageriemen fest & ließ sie aus dem geöffneten Fenster knapp über dem Asphalt baumeln & löste per Selbstauslöser aus.

Auch die Dokumentation der Documenta während der folgenden drei Tage, verteilt auf mehrere Dia-Filme, ist leider nicht mehr auffindbar (Kunstwerke habe ich damals keine dokumentiert – es waren die Begleitumstände, die mich interessierten: Drei mittellose Studenten fahren mit einem graublauen 2CV nach Kassel auf den Zeltplatz & erkunden das Gelände, welches mit zahlreichen Kunstwerken vermint war).

Sollte ich sie jemals finden, werde ich sie der Welt natürlich nicht vorenthalten …

@ Susanne:
Wenn der Apfelsaft Schicksal spielt – der Auftakt zu einem soziokulturellen Drama?

Armin hat gesagt…

Die Tradition der Bilderproduktion aus dem fahrenden Auto habe ich mittlerweile verfeinert:

Hier, hier & hier