Donnerstag, 30. Oktober 2008

Der Nachbar


Ohne Titel, 2008
Bleistift, Aquarell, 40 x 30 cm


Sonntag Morgen ging die Sonne auf gegenüber Nachbars Haus.

Es war nicht nur dieser Vorgang, der mich bewog, die Hauswand abzulichten.

Mich faszinierte eher das: Als hätte jemand während des Mauerns spontan entschieden, wo eine z.B. nun die Öffnung für ein Fenster, für eine Tür oder für die Glasbausteine sitzen. Kaum Wiederholungen. Ohne Bauplan oder Architekten. Eingebung. Zufall.

(Ich bin ja ein großer Fan von Zufall.)

Das hat viel Ähnlichkeit mit meiner Arbeitsweise.

Ich war noch nie in Nachbars Haus, obwohl wir schon 10 Jahre Nachbarn sind. Der Nachbar & seine Frau sind beide weit über 80 Jahre & arbeiten immer das ganze Jahr über im Garten. Kartoffeln, Salat, Sonnenblumen. Und ein bisschen grüne Wiese, Tannen.

Außerdem hört man immer die Kuckucksuhr.

Gestern Mittag erzählte mir K., dass der Nachbar nun gestorben sei.

Dienstag schon. Wir haben uns immer gegrüßt, aber nie miteinander gesprochen.



Kommentare:

gerd hat gesagt…

Hach. Sehr großartig.

Erzähl du nochmal, du hättest Schwierigkeiten mit Aquarell...

Echt. Sowas.

Armin hat gesagt…

Was soll ich sagen (erstmal Dank natürlich) – seit einigen Wochen probiere ich halt rum mit einem Material, das ich aus der Vergangenheit zu kennen glaubte.

So allmählich löse ich mich von gewissen Vorstellungen – auch Nachbildern, die sich im Lauf der Zeit in mein Hirn gebrannt haben – & von gewissen Zwängen.

Obige Arbeit ist übrigens unter Zeitdruck & mit einer gewissen Absichtslosigkeit entstanden.

Landschaften malen ist immer gut für Absichtslosigkeit – trotz der Fehlschläge & Gescheiterten war das eine gute Voraussetzung für die nächsten Blätter …